Messer Lizio da Valbona ist derselbe, in dessen Tochter, Caterina mitNamen, sich Ricciardo Manardi von Brettinoro, wie Messer GiovanniBoccaccio erzählt, verliebt hat. Und wie Messer Giovanni in jenem Bucheder Hundert Novellen schreibt, wurde er mit der besagten Caterina einig,daß sie auf einem Erker, der auf den Garten Messer Lizios hinausging,schlafen werde, und da wollte er zu ihr zu kommen trachten.
Das Mägdlein sagte der Mutter, in der Nacht sei es ihr zu heiß, undsie wolle ein Bettchen auf dem Erker aufgeschlagen haben, wo der Windwehe und es kühl sei, und sie möchte die Nachtigall schlagen hören undbei ihrem Gesange einschlafen; und schließlich erlaubte ihr Messer Lizio,sich dort das Bett machen zu lassen. Sie schrieb das ihrem Ricciardo, undin der Nacht kam er über die Mauer zu ihr; und er weilte die ganzeNacht bei ihr, und sie hatten ihre Lust miteinander, und gegen Morgenschliefen sie, nackt, wie sie waren, ein, und Ricciardo hatte seinen Armunter Caterinas Hals gelegt, und Caterina hielt sein Heft unten in derHand, und so schliefen sie in den Tag hinein.
Messer Lizio, der zeitig früh aufgestanden war, ging durchs Haus undauf den Erker; und von ungefähr hob er den Vorhang des Bettes, und dasah er die zwei in solcher Umarmung schlafen. Er sagte kein Wort,sondern ging in die Kammer und rief seine Gattin und sagte:„ Auf,Madonna Giacomina, komm, ich zeige dir etwas: deine Tochter hat dieNachtigall, auf die sie so begierig war, gar gefangen und hat sie in derHand; komm, sieh dirs an!" Und sie stand auf und ging zu dem Pärchen,und, um es kurz zu machen, so sagte Messer Lizio zu Madonna Giacomina:,, Ricciardo soll die Nachtigall in seinen Vogelbauer getan haben, nichtin einen fremden"; und er weckte die beiden und gab ihm Caterinazur Gattin.
*
47