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Dante-Novellen
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DER GEBLENDETE KANZLER

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Io son colui che tenne ambo le chiavi

del cor di Federigo, e che le volsi,serrando e disserrando, soavi,che dal secreto suo quasi ogn' uom tolsi.Inferno, c. XIII, 58

eister Piero del Vigne stammte aus der Stadt Capua und war vonniedriger Geburt, aber gar hochsinnig und geistvoll; zu seiner Zeitwurde er als Dichter bewundert, und erhalten sind noch viele Briefe vonihm, aus denen genugsam erhellt, wie kunstreich er in dieser Hinsichtwar. Um dieser seiner Kenntnisse willen machte ihn Kaiser Friedrich derandere zum Kanzler, und er gelangte durch seine Klugheit bei dem Kaiserzu so hohen Gnaden, daß ihm keines von dessen Geheimnissen verborgenblieb und kein Entschluß, wie gewichtig und wie groß er auch war, ohneseinen Rat gefaßt wurde; so konnte es denn durchaus den Anschein be-kommen, er vermöge über den Kaiser so viel, daß in jedem Dinge das Jaoder das Nein bei ihm stehe. Darob begannen viele Barone und großeHerren einen wilden Haß gegen ihn zu hegen, und da sie immer bereitwaren und auf der Lauer lagen, um nichts zu versäumen, was ihn vonseiner Höhe stürzen könnte, kam es, wie etliche sagen, dazu, daß sie demKaiser, der eben mit der Kirche im Krieg lag, durch gefälschte Briefe undbestochene Zeugen vorstellten, Meister Piero sei insgeheim im Einver-ständnis mit dem Papste gegen das Kaisertum und habe dem Papst einesoder das andere seiner Geheimnisse verraten; und das trugen die Neidingedem Kaiser in so guter Ordnung und mit so wirksamen Beweisgründenvor, daß er ihnen Glauben schenkte und ihn greifen und in den Turmsetzen ließ. Wie er sich auch zu rechtfertigen versuchte, es nützte ihmnichts, und schon wollte ihn der Kaiser hinrichten lassen; dann aber, seies, daß der Kaiser doch nicht so ganz und gar glaubte, was Meister Pierovorgeworfen worden war, sei es, daß ihn ein anderer Grund bewog, gaber diese Absicht auf, ließ ihn jedoch blenden und vom Hofe weisen.

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