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1 (1882) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 1(1882).
Entstehung
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Die Manneberger Mühle.

( Tafeln 1. 2.)

Die Manneberger Mühle bei Effretikon im Kanton Zürich,

liegt isolirt am Fusse eines bewaldeten Abhanges( des sogen. Manne-bergs), im Kemptthale, nahe an der Eisenbahn von Zürich nach Winter-thur. In Folge dieses Bahnbaues würden die Hofraithe und Wasser-werke der Mühle so kostspielige Umbauten veranlasst haben, dass dieBahnverwaltung für zweckmässiger fand, die ganze Hofraithe anzu-kaufen und den Mühlenbetrieb eingehen zu lassen. Es erscheinendaher bei der auf Tafel 1 dargestellten westlichen Ansicht des Hausesdie Spuren des ehemaligen Mühlgrabens mit den drei Wasserrädernauf der südlichen Langseite verwischt.*) Im Uebrigen ist der ur-sprüngliche Zustand des Hauses noch ziemlich gut erhalten, indemdie Mühle von der Zeit ihrer Erbauung an, bis zum Verkaufe an dieBahnverwaltung, im Besitz der Familie Wegmann erblich verbliebenist. Von jener Zeit belehrt uns eine Holzconsole an der südwestlichenEcke des Hauses, wonach Ulrich Bruzer im Jahre 1675 der Zimmer-mann war.( Fig. 1.) Die Untersichten solcher dem Auge zugewandten

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und vor dem Schlagregen ge-schützter Consolen wurden häufigzu dergleichen in das Holz ein-gerissenen Inschriften benutzt.Zur Seite des Hauses, Tafel 1sieht man im Hintergrunde einkleines Oeconomiegebäude, dieSchweinställe und den Abtrittenthaltend, und den zum Hofegehörigen Brunnen. Das Unsym-metrische der Thüren- und Fen-stereintheilung auf der Giebel-fronte geht aus der Grundriss-anlage hervor, und macht durchdie Färbung des Hauses gehoben,einen sehr malerischen Eindruck.Das Holzwerk der Fachwändelöst sich durch tiefrothen An-strich vom weissen Grunde derMauerflächen ab und bei den Läden und Einfassungen der Kuppel-fenster, sowie bei den zierlich ausgeschnitzten Holzknöpfen des Dach-werkes vereinigen sich noch grün und gelb mit roth und weiss. DieMauerecken des Hauses waren als Steinverzahnung mit schwarzenLinien bemalt und zur Seite der Hausthüre die weisse Tünche mitBibelsprüchen und schwarzen Ornamenten bekleidet.

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Fig. 1.

Gehen wir zu der Grundrissanlage des 20 m. langen und 14,4m.breiten Gebäudes( Fig. 2.) über, so führt uns eine gegen Südwestenvorgelegte Freitreppe von Stein, a, mit zierlichem Eisengeländer zuder Hausthüre und dem Hausgange b des erhöhten Erdgeschosses.Rechts vom Hausgang und unter demselben, von Giebel zu Giebel,liegen die verschiedenen höher und tiefer liegenden Böden c, c, c, fürdas Mühlengeschäft. Die Letzteren sind durch eine zweiarmige Treppemit dem Gange b verbunden und vornen durch zwei eichene Ständermit Brüstung davon geschieden. Links liegen die Thüren zum Wohn-

*) Die Magnetnadel weicht bei 360° Peripherie von der Giebelflucht um 24°nach der Längenachse zu ab.

zimmer d und zur Küche e, sodann die Treppe f zu dem oberen Ge-schoss mit einem Seitenausgang nach dem Hofe. Von dem Fachwerkder linken Gangwand zunächst der vorderen Hausthüre sind die oberen

Nord.

h

b

d

a

Fig. 2. Maasstab 1: 200.

1. Herr Mein Gott Ich danke DirRühm deine Gütte Für und fürDas durch deine Grosse KrafftDu die Nahrung Uns Verschafft.Gibst noch unser Täglich BrodtDas zu disem Leben NothDank Sey Dir Herr Zebaoth.3. Wenn der Müller fröhlich Singt.Und die Mülh Tapfer KlingtJeder man Sich desen FreudtWill dardurch das Lieb getraydWirdt bereitet Zu dem BrotdDas zu disem Leben NohtDank Sey Dir Herr Zebaoth.

Süd.

vier Gefache mit folgenden Versen,( schwarz auf weisser Tünche, 2,1bis 2,4 cm. hoch mit 2,4 cm. Spacies zwischen den Zeilen) beschrieben:2. Das getraydt das uns beschertDeine Fürsorg aus der ErdWird durchs mahlen Fein geschlachtUnd Zu reinem Mähl gemachtDaraus man bachet gutes BrodtDas zu disem Leben NothDank Sey Dir Herr Zebaoth.4. Ach Herr Lass der Mülh gangUnd des Müllers FreudengsangNimmer mehr auf hören nichtDann will er diss Werck VerrichtFehlt uns nicht das Täglich BrodtDas Zu disem Leben NothDank Sey Dir Herr Zebaoth.Fig. 3. zeigt eine Ansicht der linken Gangwand mit dieser In-schrift nach der Eingangsthüre zu, nebst einem Ständer und Brüstungvom unteren Mühlboden aus. Das von 5 Kuppelfenstern erhellte Wohn-zimmer d steht mit der Küche e und dem von 3 Fenstern erhelltenNebenzimmer g in Verbindung. Ein grosser Kachelofen erwärmt beideZimmer, aber das Nebenzimmer weniger, so dass später noch ein be-sonderer Ofen in demselben angebracht wurde. Eben daselbst befindensich verschiedene Wandschränke vor der Mauer und eine der Wand-schrankthüren führt an eine kleine versteckte Lauftreppe zu dem oberenSchlafzimmer.

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