gewählten Beispielen schweizerischer Holzbauten. Sie bilden eine Fund-grube zu stylistischer Belebung der Construction. Ihrem jugendlichenReize kann die moderne Architectur manche Formen ablauschen, Freudeund Erholung gewährt ihr Studium beim Zurückgehen auf die ein-facheren Zustände der Natur. Nur die älteren und häufig die ältestendieser Häuser halten mit Zähigkeit die gute Sitte fest: die Construc-tion stets auf eine sinnreiche Weise durch die veredelten Formen durch-leuchten zu lassen und nirgends einen Schmuck anzuwenden, demnicht eine constructive Nothwendigkeit oder Zulässigkeit zu Grundeliegt. In gleicher Weise haben sich gesunde Traditionen bei denVerbindungen der Hölzer im Einzelnen erhalten, wie die Ueberblat-tungen in zierlichen Schwalbenschwanzformen mit durchlaufenden Höl-zern unter Vermeidung von Zapfen und wie die schön geschnitztenHolznägel, welche erst im 18. Jahrhundert häufiger durch eiserneersetzt wurden. Eben so führte die Vorliebe für Dreiecksverbindungenwie bei Giebelfronten und bei luftigen durchbrochenen Wänden, zurAusbildung eigenthümlicher Gitterwände, deren grösste von 100 FussLänge und 30 Fuss Höhe sich vom Jahr 1721 in dem Dachstuhl derKirche zu Baar, im Canton Zug, als Träger der 50 Fuss langenBalken erhalten hat. In den späteren baroken Zeiten des 18. Jahr-hunderts versteckt sich dagegen alle Construction hinter Brettern, sodass das ganze Haus nur glatte, ebene oder geschweifte Flächen fürden Maler darzubieten scheint, oder hüllt sich in fremde klassischeFormen ein, welche die Natur des Materials verläugnen, wie die Holz-façaden mit dorischen Pilasterordnungen, Triglyphen, Metopen und weit
ausladenden Tropfgesimsen, alles in Verbindung mit dem steilenSchindeldache.
Die Reihe der älteren meist auch interessanteren Holzbauten nimmttäglich mehr und mehr ab: was der Zahn der Zeit und die Elementeverschonen, das muss der einreissenden, nivellirenden Modesucht wei-chen, dem Mangel an Erkenntniss des historischen und künstlerischenWerthes, oder einem missleiteten Geschmack. Dazu kommt die Wan-derung transportabler werthvoller Schätze in das Ausland, wie derreichen geschnitzten und mit Holzmosaiken belegten Möbel, der ge-malten und ornamentirten Kachelöfen, ja ganzer Wände- und Decken-Bekleidungen.
In nicht fernen Zeiten wird man von der alten Ausstattung desInneren dieser Schweizerhäuser, in einzelnen Kabinetten englischerLords oder französischer Banquiers bessere Kunde als auf dem hei-mischen Boden erhalten, obgleich diese schönen Geräthe dort nichtdenselben Eindruck machen können, weil sie aus dem ursprünglichenZusammenhang herausgerissen sind. Von ganz verschiedenen Seitenund gewichtigen Stimmen wird daher gemahnt, diese werthvollen Ar-chitecturen vor ihrem raschen Verschwinden noch zu sammeln undder Vergessenheit zu entreissen.
Der Verfasser hat bei strenger, wahrheitsgetreuer Darstellungdes wirklich vorhandenen, an die folgenden Monographien ausgewählterSchweizer Holzbauten, mit Berücksichtigung der eigenthümlichen Ver-bindung des Holz- und Steinbaues eine in constructiver Hinsicht ver-gleichende Uebersicht derselben am Schlusse beigefügt.
Uebersicht des Inhaltes.
Nachdem wir mit Rücksicht auf die beiden constructiven Hauptrichtungen der Schweizer Holzbauten, nehmlich den Riegel- und Ständer-Bau einerseits, sowie den Blockbau andrerseits, vier ausgewählte, diese Richtungen vertretende Beispiele mit Beschreibung vorausgeschickt,konnten wir uns sodann auf eine kurze Erklärung der übrigen Tafeln mit Hinweis auf die vorausgeschickten Monographien beschränken undendlich mit einer vergleichenden Uebersicht schweizerischer und stammverwandter Deutscher Holzbauten abschliessen.
Bezüglich der Reihenfolge der übrigen Tafeln halten wir uns an die durch die Monographien einmal bestimmte Ordnung, indem wir denRiegel- und Ständer- Bau dem Blockbau vorausschicken, so zwar, dass ähnliche Constructionen in denselben Kantonen unmittelbar auf einanderfolgen.
Die vier Monographien.
Tafel 1. 2. Manneberger Mühle
3. 4. Rosswiesli im Fischenthal
"
77
"
Tafel
::::::
5. Haus der Gebr. Schmid in Buelisacker
6. 7. Haus des Friedensrichters in Meiringen
Riegel- und Ständer
8. Höngg und Schirmensee.
9. Häuser Fluntern und Horgen.
10. Wytikon und Rang in Enge11. Fenster- Laden zu Birmensdorf12. Altes Wirthshaus zu Baar
13. Sigristenwohnung zu Marbach14. Haus in Eggiwyl
Kanton Zürich.
Kanton Aargau.Kanton Bern.
-
Bau.
Kanton Zürich.
"
73
99
Kanton Zug.
Kanton Luzern.Kanton Bern.
Blockba u.
Tafel
15. Wohnhäuser im Kanton Schwyz.
Kanton Schwyz.
16. Haasehöfli bei Steinen
99
"
17. Pfarrhaus in Steinen
77
23
29
18. Heuschoppen und Stallung in Flüelen
"
20. 21. Das hohe Haus zu Wolfenschiessen
"
"
22. 23. Hochsteig bei Watwyl
24. Pfarrhaus in Peterzell
"
25. Haus in Rüti.
99
95
26. Schilds Haus in Meiringen
19. Häuser und Capelle an der St. Gotthardsstrasse
Kanton Uri.
33
Kanton Unterwalden.
Kanton St. Gallen.
27
Kanton Glarus.Kanton Bern.
22
33
27. 28. Kässpeicher und Michel's Haus in Bönigen
27
29. Speicher in Brienz.
"
"
27
30. Speicher- Bauten in Langnau
"
27
73
31. Stützconstructionen der Lauben u. Vordächer32. Saanen
ג,
33. Schulhaus in Rougemont
Kanton Waadt.
"""""
34. Pfarrhaus in Rossinière
33
99
35. Scheuer in Cinuskel, Dach der Mühle zu St. Maria Kanton Graubünden.36. Haus Fallet in Bergün
37. Scheuer in Zernez u. Laube in Alvaneu
38. Haus Cuorat in Lavin
"
,,
72
27
"
27