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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
Entstehung
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sind solche Schränke meist Erzeugnisse der Vintschgauer Tischler,die noch vor etwa 50 Jahren dieses Möbel für 100 Gulden, Kost undQuartier im Laufe eines Winters an Ort und Stelle anzufertigenpflegten.

Eine der schönsten derartigen» schiaffa« befindet sich in St. Mariaim Besitz von Fräulein Maria Binna.( Taf. XIX.)

Der mit hellem Holz inkrustierte massive Schrank aus Nußholz, welcher aus demEnde des 18. Jahrhundertes stammt, nimmt hier eine zirka 3 m lange Wandflächebis zur Decke in Anspruch. Auf der rechten Seite in der schiaffa" ist ein freier Raumfür ein Waschbecken aus Zinn gelassen, das ehemals in dieser Gegend wie auchanderwärts in den Alpenländern einen notwendigen Bestandteil der Stubeneinrichtungbildete. Heute ist das Zinnbecken aus dem Münstertal ganz verschwunden und hatmodernen Waschbecken Platz gemacht.

Die geschilderten Schränke werden wohl früher in keinem Münstertaler Hause gefehlthaben; gegenwärtig sind viele bereits verkauft und durch moderne ersetzt worden, dieder Stube einen ganz nüchternen Anstrich verleihen.

Die Münstertaler Schränke sind in Form und Verzierung denen vom Engadin soziemlich ähnlich, was damit zusammenhängen mag, daß auch im Engadin früher Vintsch-gauer Schreiner vielfach tätig waren. Jedoch machen diese Engadiner Möbel im großenGanzen einen weniger schwerfälligen Eindruck als die Münstertaler. Im Oberengadin sindsie zumeist mit Intarsia, im Unterengadin mit Flachschnitt verziert, hie und da auchbemalt.

Gewissermaßen eine Fortsetzung des Schrankes bildet das ingleichem Farbenton gehaltene Holzgestell, das den großen Stein-ofen an zwei Seiten einfaßt und, wie wir gleich sehen werden, nichtnur zur Zierde, sondern auch aus praktischen Gründen angebrachtwurde.

Dieses Ofengestell, im Münstertal» mantablas« genannt, wirdnach oben zu von einem Holzgitter abgeschlossen, dessen einzelneTeile zum Öffnen eingerichtet sind.( Taf. XIX.)

Nur noch vereinzelt findet man in alten Häusern kunstvoll geschnitzte, mantablas",die viel zur Eigenart der Stube beitragen.( Taf. XXV, Fig. 1.) Leider werden die mit derZeit schadhaft gewordenen Ofengestelle heute durch Stoffvorhänge ersetzt, die, ebensowie die modernen Möbelstücke, die alte schöne Münstertaler Stube ganz entstellen.

In das Ofengestell ist eine kleine Tür eingebaut, die in den vom» mantablas« umschlossenen Raum, der gleichsam eine kleine Kammerfür sich bildet, führt. Hier, neben dem warmen Ofen, vor neu-gierigen Blicken durch das dichte Holzgitter geschützt, pflegen dieFamilienmitglieder sich im Winter an- und auszukleiden. Von daaus steigt man durch eine über dem Ofen angebrachte Kammer-luke( palantuf) in die darüber liegende ofenlose Schlafkammer. Manerspart sich zwar dadurch den Umweg über den kalten Hausflur,muß aber dafür die Unbequemlichkeit des Aufstieges mit in Kaufnehmen; denn es führen nur drei an dem Ofen angebrachte Stein-stufen zu einem kleinen, etwa 80 cm unterhalb der Kammerluke indie Wand eingelassenen Trittbrett( sapiola), von dem aus man sichin die Schlafkammer hinaufschwingen muß. Es gehört wohl einegewisse Übung zu dieser kleinen gymnastischen Leistung, die alt

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