Druckschrift 
Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

12

1. Aus dem bis 2 m tief in die Erde versenkten Kellergeschoß,das den zweiteiligen Flur, die Stallwohnung, die Küche, zwei Vorrats-kammern und den Keller einschließt.( Taf. III, Fig. 1, a, c, e.)

2. Aus dem Erdgeschoß, das die geräumige Scheune undgewöhnlich nur einen bis zwei Schlafräume für die Sommermonateenthält.( Taf. III, Fig. 1, b, d, f.) In ganz neuen Häusern erhebt sichmeist über dem Erd- noch ein bewohnbares Mansardengeschoß.

Durch dieses enge Ineinandergreifen von Wohn- und Wirt-schaftsräumen und durch deren Verbindung zu einer organischenBaueinheit bildet das Bessaner Haus wohl ein Einheitshaus parexcellence.

Wenn auch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die alter-tümliche Hausanlage in Bessans noch bis heute vorherrscht, so tretendoch in den letzten Jahren Veränderungen in der Anordnung des Haus-innern immer deutlicher hervor. Im großen und ganzen lassen sichin Bezug auf die Gesamtanlage drei Haupttypen des Bessaner Hausesdeutlich unterscheiden.

Beim ersten, dem ältesten Haustypus gelangt man in das bis 2 m tief in dieErde eingelassene Kellergeschoß durch einen kleinen Vorbau aus Stein, der eine Ver-längerung des Flures bildet.( Vergl. Taf. II.) Der Hauptraum, die Stallwohnung, istnach rückwärts verlegt, während die übrigen Räumlichkeiten sich vorne befinden.( Taf. III,Fig. 1, a.) Auf einer schmalen, im zweiten Flurteil angebrachten Steintreppe erreicht mandas Erdgeschoß, welches fast gänzlich von der geräumigen Scheune in Anspruch genommenwird; nur ein kleiner Vorratsraum für Kleidertruhen ist hier ausgespart, während dieSommerstube gewöhnlich gänzlich fehlt.( Taf. III, Fig. 1, b.)

Derartige Häuser, in denen die Familienmitglieder noch das ganze Jahr in derStallwohnung leben, sind zwar seltener geworden, bilden aber dennoch etwa ein Achtelder gesamten Häuserzahl von Bessans.( Die Gemeinde Bessans zählt zirka 250 Häuser.)Die in den letzten 50 Jahren vorgenommene Veränderung dieses ältesten Haus-typus zwecks Erhöhung und Erweiterung der beiden Geschosse bewirkte nun die Ent-stehung des zweiten, heute in Bessans wohl am meisten verbreiteten Haustypus.( Taf. III, Fig. 1, c, d.)

Wie noch an anderer Stelle ausgeführt werden soll, ist bei diesem Haustypus deroben erwähnte Vorbau entweder beibehalten oder derselbe ist in das erweiterte Haus-viereck gewissermaßen aufgenommen worden, so daß die Hausfront von nun an gerad-linig verlaufen konnte. Im ersten Fall gleicht der Grundriß des erweiterten und nochüber 1 m tief in die Erde eingelassenen Kellergeschosses ganz und gar dem des ältestenHaustypus; ebenso hat sich auch im zweiten Fall bis auf die Eingliederung des Vor-baues- die Anordnung des Kellergeschosses nicht geändert.( Taf. III, Fig. 1, c.)Das Erdgeschoß wurde bedeutend erhöht, die Scheune darin etwas verkleinert undan Stelle des früheren Vorratsraumes wurden zwei Sommerstuben über der Küche unddem Hausflur erbaut.( Taf. III, Fig. 1, d.)

Wenn nun die Gesamtanlage des zweiten Haustypus den altertümlichen Charakternoch durchaus bewahrt hat, so ist dies beim dritten, erst in den letzten Dezennien inBessans entstandenen Typus nur zum Teil der Fall. Das nur mehr wenig versenkteKellergeschoß hat eine Änderung insofern erfahren, als die Stallwohnung nach vorn verlegtwurde, so daß der bereits etwas erweiterte, noch immer zweiteilige Flur jetzt das ganzeGeschoß durchschneidet. Die Vorratsräume mit dem Keller befinden sich rückwärts, währenddie Küche auf ihrem alten Platz geblieben ist.( Taf. III, Fig. 1, e.) Eine bequeme, wie