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In der Milchwirtschaft zeigen sich zahlreiche Übereinstim-mungen mit der der übrigen wandernden Gruppen dieses Volkstums wieauch mit den Gruppen in der donauländischen und karpathenländischenHeimat. Der Hirtenstab zeigt dieselbe altertümliche Form wie im heutigenGriechenland; sie ist ja auch auf den kirchlichen Bischofsstab über-gegangen.( Taf. IV, 4.)
Über die in Verwendung stehenden hölzernen Schafbänder wurdebereits gehandelt. Die Melkeimer stimmen nach Form und Benennungüberall in dem soeben umschriebenen Gebiet überein. Eine offenbar mitdem beweglichen Dasein dieser Hirten zusammenhängende Gepflogenheitist die Verwendung von Lederschläuchen für die Erzeugnisse der Molkerei,für den Vorgang des Butterns u. s. w., ganz wie bei den Nomaden desOstens. 78)
Der Hausbau ist aus naheliegenden Gründen nirgends über dieErrichtung von Geflechthütten mit Lehmschlagwänden hinausgewachsen.Eigenartig und abweichend von sonstiger albanischer Übung ist die Einfügungstarker Pfosten in den Flechtverband der Wände, die Verwendung vonFirstpfosten im Innern des Raumes sowie das wohlausgebildete Gerüstder meist stark der Pyramide genäherten Strohdächer. Das gleiche giltvon den vor die Türöffnung seitlich vorspringenden Nebengelassen, diemanchmal zur Bildung einer Art überdachten Vorlaube Anlaß geben. Manfindet derartiges häufig auch an ganz gleich gebauten ebenerdigen Häusernin Makedonien und der Metochie, und so dürften alle diese Eigenheitenoffenbar aus dem Binnenlande hieher mitgebracht worden sein.( Taf. III,6--10, Abb. 47.)
Eigenartig ist auch die häufige Abtrennung eines kleinen Abteilesin dem meist nur ein Gelaẞ umfassenden Hüttenraume durch eine etwameterhohe Hürde aus Rutengeflecht; in dem betreffenden Winkel findet manentweder die Kleidertruhen aufbewahrt, auch ziehen sich die Frauen dorthinzurück, oder es hat dort die Webgrube mit dem Webstuhl ihren Platz.Die Bezeichnung derselben ist» bordej ruzbuj«. Der Name>> bordej<< wirdim Rumänischen bekanntlich ziemlich allgemein für die halbunterirdischenErdhütten der Bevölkerung in gewissen Gebieten gebraucht. Vielleichtweist die Verwendung des Namens für die Webgrube auf einen Zusammen-hang der Bauart mit halbunterirdischen Webkellern der Frauen etwa imSinne der>> screunas« und Weberkeller Belgiens, der Maasgegend wie auchder germanischen Gebiete in früherer Zeit.
Anstatt der albanischen flachen Herdstelle trifft man in den rumä-nischen Häusern eine halb überwölbte Herdgrube oder halbrundumrandete Mulden an, über denen die Kesselhänge angebracht wird.Solche Herdgruben sind auch aus einigen serbischen Gebieten bezeugt.79)Die Feuerböcke sind von der gleichen Art wie bei den Albanern. Diekleineren Herdgeräte, Pfannschaber, Backgeräte, sind gleichfalls die all-gemein gebräuchlichen, tragen jedoch rumänische Namen. Die Bettenwerden von Gabelgestellen gebildet, auf die man der Länge nach dicke