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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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Zitadellenhügels von ihren ärmlichen Hütten eingenommen wird. Auchhaben sie sich in einzelnen Dörfern an der Schkumbimündung dauerndniedergelassen, ohne viel von ihrem eigenartigen kulturellen Besitzstandaufzugeben. Am meisten haben sie davon in den Städten eingebüßt, dieMänner sind teils angesehene Kaufleute, die ärmeren verdingen sich alsSaumtiertreiber; die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber treiben auch hier vielfach ihr charakteristischesHausgewerbe: die Anfertigung von dicken wollenen Decken und Kotzen.( Abb. 46.)

Unverfälscht kommt volksmäßiges Wesen bei den halb nomadischenSchafhirten zum Ausdruck, die bisher im Sommer im Gebirge umOchrida und dem Presbasee sich aufhielten, Winter und Frühjahr dagegen

Abb. 46. Inneres einer Aromunenhütte, Hasmašej im Schkumbital..

in den ungeheuren Weidestrecken der Schkumbiebene und der Mussakiaverbringen. Sie stehen in einem Pachtverhältnis mit den jeweiligen Grund-besitzern, die ihnen gegen Abgabe von Molkereierzeugnissen Aufenthaltund freie Weide auf ihrem Besitztum gestatten.

Ich traf ein solches Dorf bei Pekinje( Hasmašej), ein paar anderean der Schkumbimündung( Vila, Greda). Die männlichen Einwohnerunterscheiden sich körperlich deutlich von den umgebenden Albanesen,vornehmlich durch ihre runde Gesichtsform. Die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber haben oftfrische, hübsche und sympathische Gesichter, sehr im Gegensatz zu denAlbanerinnen. Auffällig ist ihre große Scheu und Angst vor den Fremden,die auch schon G. Weigand hervorgehoben hat.

Ihre Sprache stimmt anscheinend durchaus mit dem von Weigandaufgezeichneten Idiom überein, hat aber zahlreiche albanische Bezeich-nungen für Gebrauchsgegenstände mit in sich aufgenommen.