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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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Skodra versorgt auch die Drinebene mit Schmuck in freilich derbererAusführung, Stirnblechen, Broschen, Schließen und anderem. Auch inAltserbien erstreckt sich die Erzeugung auf ähnliche Dinge, außerdem istein großer Teil der orthodoxen Kirchengeräte, vornehmlich die Reliquienund Altarkreuze, in gleicher Art ausgeführt, doch reicht keine der vor-findlichen Datierungen über das 19. Jahrhundert zurück. Alles in allemdürfte die reiche Entwicklung der Technik somit kaum über die letzten100 bis 150 Jahre zurückreichen. Nicht zuletzt dürfte sie, so sonderbardies klingen mag, kräftigen Anstoß durch die Weltausstellungen des19. Jahrhundertes bekommen haben, wo solcherlei Arbeiten in besondererFülle gezeigt wurden. Damit ist es freilich namentlich in den binnen-ländischen Gebieten der Halbinsel mehr und mehr zur Übernahme neuerwestlicher Muster und Vorbilder gekommen, die gerade dort den ursprüng-lichen Stil der Erzeugnisse schon stark beeinträchtigen. Als vereinzelte,aber für weitgehende Verkehrsbeziehungen lehrreiche Beobachtung magerwähnt werden, daß ich in Skodra bei einem Silberschmied einenSchlauchblasebalg mit einem von zwei Stäbchen eingefaßten Schlitz inVerwendung sah, der von F. v. Luschan gewiß mit Recht als indischeForm bezeichnet wird. Sie ist wohl im Gefolge des islamischen Gewerbesauf die Balkanhalbinsel gelangt.

Zu den holz verarbeitenden städtischen Handwerkernzählen die Böttcher, die mechanischen Tischler, Schreinerund Möbeltischler. Im einzelnen greifen diese Handwerke natur-gemäß vielfach ineinander über. Die Böttcher erzeugen vornehmlich dieHolzgefäße für den Küchenbedarf, Speicherfässer, Butterfässer, Holzmaẞe,auch Speicherkästen, wobei für die ersteren hauptsächlich Birn-, für dieletzteren Fichtenholz in Verwendung kommt. Alle Behälter werden ausDauben zusammengefügt und zumeist schon mit eisernen Reifen beschlagen,im Gegensatz zu den urtümlichen Erzeugnissen der Bauern selbst.

Erzeugnisse der mechanischen Tischlerei sind die überallauf dem Lande anzutreffenden Webstühle, die Haspel und Spulräder,Spulenrahmen und Spulen, ferner kleine, nach oben zugespitzte Haspelfür die Seidenbereitung. Die Form der letzteren führt C. Schuchardt ganzgleichartig aus dem Kaukasus an, während die übrigen Geräte gemein-osteuropäischen Typus aufweisen. Ihre handwerksmäßige Erzeugung gibtohne weiters die Erklärung für diese Gleichartigkeit an die Hand.

Die Möbeltischlerei dürfte in kunstgewerblicher Hinsicht inder letzten Zeit manches eingebüßt haben; die Truhen und Wiegen, dieheute vornehmlich erzeugt werden, sind durchwegs glatt gehobelt undmit Malerei in grellen Leimfarben verziert. Blumenvasen und Blumen-geranke geben wie in unserem bäuerlichen Hausrat die Hauptmotive dermalerischen Ausschmückung ab, die Kunstübung scheint verhältnismäßignicht sehr alt zu sein. Als ältestem erkennbaren Stück begegnete icheiner ziemlich vergilbten, bemalten Truhe in der Kirche des Patriarchatsvon Ipek, die ich aber für höchstens hundert Jahre alt halten möchte.