Schrift und Kunst.
Von dem warmen Golfstrom der Moderne, welcherjetzt an unseren Ufern vorbeizieht, um unser künstlerischesKlima so wesentlich zu verändern, ist zusehends auchunsere Schrift, die sich seit Jahrhunderten kaum gerührthat in ihrer steinernen Starrheit, zu einem merkwürdigen,ich möchte fast sagen pflanzenhaften Leben erwecktworden. In dem lauen Kunsthauch, der jetzt überall weht,lösen sich die starren Formen, die Schrift wird beweg-lich und lebendig, sie streckt und schlingt ihre Gliederwie ein lebendiges Geschöpf, sie sprießt und knospet
kurz
die neue Zeit hat wirklich auch eine neue Schrifthervorgebracht.
Darin liegt wohl ein factischer Beweis für die fort-dauernde Zugehörigkeit der Schrift zur sonstigen Formen-welt der Artefacte, die uns umgibt. Man wäre fast ver-sucht gewesen zu glauben nach so ausgiebiger Schrift-dressur des Geistes dass die Schrift als Mittler undTräger schon jenen Abstractionen unserer Cultur zuzu-rechnen war, die wie die Wissenschaft, wie das Recht informaler Hinsicht indifferent und daher unbeweglich ge-
worden sindMathematik
"
etwa wie Plus- und Minuszeichen in derwenigstens außer der Mode stehen. Die