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Cultur im Alltag : gesammelte Aufsätze
Entstehung
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Naturempfindung vor hundert Jahren

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bezaubernden Strahlennimbus erblickt' ich sie jetzt!...Froh und heiter klettert ein dankbares Volk in diesenschönen Gebirgen auf der nährenden Erde! Es schwin-delt die Felsenbrücke in unermesslicher Höhe, Gewässerrauschen, wie auf der Alpe tönt das Horn!... Ich fliegedie Höhen hinan; eine schwindet vor der andern, stolzersieht die Nächste auf die Naben hin. Aber dürrer spaltetsich der Fels, das Auge verwirrt sich in der neblichtenFerne, die Steine prasseln hinab von dem ewig gespann-ten Bogen des Gebirges. Sieh da! Eine Kluft, mich packenSchauer, ich zittere

Aber horch, es wogen entzückende Töne wie aus demnahen Aether zu mir. Sie athmen Versöhnung und Liebe.Tausend Silberbanden umflechten den Taumelnden, dasser nicht falle. Und entschwunden ist das Echo der Berge,das reizende Idyll des Thales, in welches hinab, gleicheiner Vase, der Mond hängt! Ein neckendes Allegro streiftvon der Seele die noch tönenden Banden ab und bereitetsie vor auf die wechselnden Gruppen der Stadtekloge.Welch ein gewaltiger Contrast! Aus dem dunkeln, ofterhabenen Stilleben der einsamen Natur tret' ich zu demreichen Frescogemähld' einer Assemblée. Innerhalb be-malter Schranken sind unter Lindenbäumen Stühle ge-ordnet; eine himmlische Harmonienmusik hat den Mittel-punkt eingenommen. In luftigster Halbkleidung sitzen dielieblichsten Blumen der Schöpfung, als hätte Zephyr sieLunen zum Opfer hiehergehaucht, im großen Cirkelherum. Jede Attitude ein Kunstwerk, jeder Fächerschlagein scherzendes Triolet, das Köpfchen gewiegt von derFreude, voll Ahnungen die Lippen, selbst der kleinsteFinger ein Cicero- pro domo sua. Und wie um jedenPlaneten, je nachdem sein Rang es vorschreibt, sich vier,