Moderne Schriftwissenschaft.
Der Ursprung mancher hoffnungsvoll entwickeltenWissenschaft liegt im Dilettantenthum. So wenig sichder Dilettant im regelrechten Betriebe der Wissenschaftenbewährt, so sehr hat es die Erfahrung gelehrt, dass dieersten tastenden Versuche, in einer neuen Richtungweiterzuschreiten, dass die grundlegenden Ideen und derEifer, ihnen zu trauen und nachzuspüren, häufig vonNichtfachmännern, von guten Köpfen, die außerhalb derGelehrtenzunft standen, herrühren. Die sogenannte Gra-phologie ist ein deutliches Beispiel dafür. Sie ist in ihremUrsprunge so recht eine Domaine des Dilettantismus,vielfach über- und unterschätzt, in ein pseudowissen-schaftliches System gebracht, mit dem ganzen dünkelhaft-gelehrten Apparate ausgestattet, wie ihn nur der Laieseinem Lieblingsgegenstande zutheil werden lassen mag.Competente Forscher haben sich bis in die letzte Zeitgescheut, dieses deutungslustige Gewerbe anzugreifen undsich mit wissenschaftlichen Mitteln, nach wissenschaft-lichen Grundsätzen mit der Frage zu befassen, ob zwischender Handschrift und der Psychologie des Schreibers eineruierbarer Zusammenhang bestehe? Keine geringerenNamen als Lavater und Goethe haben diese charaktero-