Unser Ofen.
In unseren Breiten, wo die Rosenstöcke fast das halbeJahr hindurch ihr Strohkleid tragen müssen, ist Wärme,wie ein Lebenselement überhaupt, den Winter über einLebensgenuss, den uns nur die Häuslichkeit voll und schönbietet. Da steht er in der Stubenecke, der gute Haus-freund, und strahlt aus seinem feurigen Innern traulicheBehaglichkeit in die Stube, die er knisternd und flackerndmit den Stimmen des Feuers belebt. Alle guten Geisterder Gemüthlichkeit schweben in seinem Bezirk und umseinen grauen Mantel, um den er, ein großer Kinderfreund,gern die Kleinen versammelt. Geheimnisvoll flüstert inseiner Ecke das Märchen und spinnt die Sage ihrendunklen Schleier. Wie sein Gegenstück, das lichte, luftigeFenster, ist der graue, wärmende Ofen gleichsam einOrgan der Häuslichkeit, das ihr nicht fehlen darf, er istin Wahrheit der getreue Eckhart der Stube.
Lassen wir den eleganten Franzosen ihren vornehmenKamin mit dem koketten Feuerchen, gönnen wir ihnen ihregalanten Dialoge und Lustspielscenen vor der marmornenCheminée mit den Theaterflammen, die nicht wärmen.Unser Ofen ist dagegen wohl ein recht altväterisches Möbel,ohne eine Spur theatralischen Anstrichs, und zum roman-