20
Schnee
Reihen liegen die aufgethürmten Hügel, und die Gassensind rein. Dafür kommen böse Nachrichten massenhaftvom offenen Lande. Man möchte es gern sehen, oh ja,es muss so interessant sein; aber draußen weilen undwohnen, Gott verhüte! Die Phantasie fährt freilich sogern auf klingelndem Schlitten in die Schneelandschafthinaus, aber die Bequemlichkeit sitzt doch fröhlicher zuHause in der warmen Stube und wärmt sich die Füßeam strahlenden Kamin.
*
Verlorene Sterne fallen vom Himmel, den ein leichterSchneedunst deckt. Wir fangen sie mit dem Ärmel aufund sehen sie uns genauer an. Aber kaum betrachtet,schmilzt das Sternchen im Hauch unseres Mundes. Dochein neues ist schon wieder da, und wieder eins, jedesnetter und sauberer als das andere, und mit verhaltenemAthem bewundern wir die überschwängliche Feinheit derGebilde, die Zartheit der Zeichnung, die köstliche Prä-cision des Baues. Mit einem Kopfschütteln entlassen wirendlich die Sternchen, streifen den Ärmel ab und gehenresigniert weiter. Begreife das, wer kann so haben wireinen philosophischen Augenblick. Denn solch ein Sich-wundern ist eine philosophische Affection, das wussteschon der göttliche Platon.
*
―
Als ich nichtsahnend neben den Häusern meiner Gasse
dahingieng, bautz! auf einmal trifft es mich am Kopf,am Hals, auf der Schulter wie ein Schlag, und weißeBallen und Flocken rieseln an mir herab. Ein verblüfftesOh! und ich schüttle mir den Schnee aus den Kleidernund reibe mir den Kopf von dem derben Schlag. Ah, dassind die zarten Sternchen und der luftige Spitzenflitter!....
-