Schnee.
Winterliche Tagebuchblätter.
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Montag. Ein eigenthümlich scharrendes, unerträglichesGeräusch auf der Straße weckte mich vor der Zeit, undals ich die Augen aufschlug, sah ich eine weiße Dämmerungmit milchigem Licht durch die Jalousien in die Stubedringen. Schnee! Er liegt schon dick auf den Dächernund Straße, und vor den Fenstern weht es noch immerwie weiße Wolken. Das wird Arbeit geben!denktsich der Städter, der sich den Schnee zunächst immernur als Verkehrshindernis, als ein Wegzuräumendes vor-stellt, weil derselbe zwischen Häusern nichts als dasSignal zu endloser Säuberung mit Hacke und Schaufelist. Wer nicht so früh hinaus müsste!
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Es ist richtig schon alles in vollster Arbeit. Derschöne ebene Teppich, der so appetitlich und so gründ-lich ausgebreitet liegt, ist schon zerstört und zerwühlt,die Fußstapfen der Fußgänger zerfließen schon ineinander.Die Hügel thürmen sich auf, und die erlogene ReinlichkeitGoethe nennt den Schnee so kommt stellen weisebereits hervor. Wie gründlich solch ein Schneefall ist;kein Plätzchen, keine Kante, kein Vorsprung wird ver-gessen, selbst der Eckstein auf der Gasse hat seine Haube!