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Cultur im Alltag : gesammelte Aufsätze
Entstehung
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Der Bachwirt

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Aber man

sich der Bachwirt schon gefallen lassen.braucht ihn auch nur anzusehen, wenn er beim Singenist, wie da sein ganzes Gesicht, sein ganzes Wesen voninnen heraus mitsingt! Wie die Augen lustig zwinkernund blitzen und die verhaltene Heiterkeit ihm um Mundund Wange zuckt! Der ganze Mann von naiver Freudean seinem eigenen Ton, an seinen schnurrigen Einfällenund launigen Spässen beseelt, das ist schon selbst fröh-liche Unterhaltung mit anzusehen. Noch schöner aber

ist's, wenn er auf einem Gang zur Küche oder zum

Keller, vom dankbaren Zuhörer eingeladen, sich anunseren Tisch setzt. Er thut's mit jovialer Würde, undwie gemüthlich wird nun discuriert. Er erzählt, wie erals junger Bursche in der Stadt" gewesen und wie ihmseine Liedeln am liebsten beim, Wachtstehen" in der schönenkalten Nacht eingefallen; wie er als Statist im großenTheater mitgespielt und dann viel Schönes gesehen- na,überall lasst sich's leb'n, aber net so wie in Aussee," schließter darauf kurz ab, mit einem Herzenslaut, der wie ein Jod-ler klingt. Und dann greift er wieder zu seiner Klampfenund singt das Gelobte Ausseerlandl. Denn der Bachwirtist stolz auf sein Landl, aber das Landl ist auch stolz auf ihn.

Das ist die Poesie, wie sie im Bachwirtshaus zufinden, wie sie mit ihm zu Tische sitzt und seinen Weinund seine Backhändeln würzt, dass man meint, nimmerhabe es so gut geschmeckt. Wohl darf sich's der Bach-wirt sagen, dass keiner ohne Dank sein Haus ver-lassen, so mancher ihn in lieber Erinnerung behaltenhat. So mancher Poeta laureatus" gäbe wohl gernseinen trockenen Lorbeer hin, kränzten ihn auch, wie'sdem Bachwirt wohl geschah, weiße Mädchenhände in derBegeisterung des Augenblicks mit frischen Alpenblumen.