Die Waldandacht.
Von der Straße nach einer stillen Wiener Sommer-frische zweigt, eine blumige Hügellehne ansteigend, einWiesenweg ab, auf welchem an schönen und schlechtenTagen stets Leute zu sehen sind, häufiger, als sie aufder Straße drüben verkehren. Wenn wir dem Wege folgen,auf welchem uns von rechts ein Eckchen der Stadt herauf-grüßt, während zur Linken die Spitze des Schneebergesüber die dunklen Rücken des Wienerwaldes hervorlugt,so empfängt uns am Waldsaume ein kleiner Hain hoch-stämmiger Föhren, durch deren Grün Goldglanz und bunteFarben überraschend herausblicken. Im Nähertreten ge-wahren wir die ganze Gruppe der Föhrenstämme mitBildern und Figuren behängt, vom Boden bis hinauf insdichter werdende Astwerk ein Übereinander ärmlicherKunstwerke, in hellen und dunklen Farben, zwischen-durch blühende und welke Sträußchen, die von der Wieseunten im Thal gepflückt wurden.
Die schlanken Waldstämme stehen in solchem Schmuckewie die heiteren Säulen einer Waldkapelle, deren Deckeder blaue Himmel bildet. Und wirklich ist es eine Wald-kapelle, die hier um ein bescheidenes Crucifix sich grünendzusammenschließt, festlich gewandet vom frommen Glauben
Haberlandt, Cultur im Alltage.
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