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Figurenofen, bekannt als \"Ofenb\u00e4uerin\" oder \"Annamirl\"","thumbnail":{"width":304,"height":171,"@id":"https://sammlung.volkskundemuseum.at/i3f/v21/203096/full/304/0/default.jpg","@type":"dctypes:Image","format":"image/jpeg"},"logo":{"@id":"https://sammlung.volkskundemuseum.at/domainresource/static/graphics/connectors/viewerLogo.gif","service":{"profile":"http://iiif.io/api/image/2/level2.json","@context":"http://iiif.io/api/image/2/context.json","@id":""}},"@context":"http://iiif.io/api/presentation/2/context.json","seeAlso":{"format":"application/xml","@id":"https://sammlung.volkskundemuseum.at/oai?verb=GetRecord&metadataPrefix=mets&identifier=203043","label":"METS"},"@id":"https://sammlung.volkskundemuseum.at/i3f/v20/203043/manifest","@type":"sc:Manifest","metadata":[{"value":"Das w\u00e4rmende Feuer im Herzen des Hauses\rDer Verspieltheit des Rokoko im s\u00fcddeutschen Raum verdanken wir die Ausformung von Kachel\u00f6fen zu speziellen Figuren oder gar M\u00f6beln. Zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieser ganz besonderen Mode der Hafnerkunst des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts z\u00e4hlt der Figurenofen in Gestalt einer M\u00fchlviertler B\u00e4uerin.\r\rBeschreibung:\rMit der Neukonzeption der Dauerausstellung des \u00d6sterreichischen Museums f\u00fcr Volkskunde in Wien im Jahre 1994 gelangte ein einzigartiges Exponat in den mit \"L\u00e4ndlicher Stolz\" betitelten Raum 24. Es handelt sich um eine vollplastische keramische Figur in Gestalt und K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe einer Frau. Die F\u00fc\u00dfe stecken in schwarzen Halbschuhen und die Waden sind mit wei\u00dfen Str\u00fcmpfen bedeckt. Die als \"Annamirl\" bekannte Figur tr\u00e4gt einen knielangen schwarzen Leib(l)kittel, der Mieder und Rock vereint. Der barocken Vorstellung vom weiblichen Sch\u00f6nheitsideal entsprechend ist der Kittel an der H\u00fcfte durch sogenannte Lendenw\u00fclste erweitert. Der gef\u00e4ltelte Rockteil ist vorne mit einer wei\u00dfen Sch\u00fcrze bedeckt. Die Tracht wird durch ein gr\u00fcnes Mieder mit heller Schn\u00fcrung und schwarzem kantigem Brusteinsatz vervollst\u00e4ndigt. Die wei\u00dfe Bluse hat einen schwarzen Stehkragen und tr\u00e4gt an den B\u00fcndchen der bauschigen \u00c4rmel einen schwarzen Besatz. Ein schwarzes Tuch ist um den Hals verknotet, es bildet unter dem Kinn eine Masche, deren Enden im Brustlatz stecken. Die rechte Hand h\u00e4lt ein Taschentuch und st\u00fctzt sich auf der H\u00fcfte ab, die linke Hand ist erhoben und verharrt sch\u00fctzend vor dem auf dem Kopf getragenen geflochtenen und mit Obst gef\u00fcllten Henkelkorb. Den Kopf mit dem rotbackigen Gesicht bedeckt ein im Nacken gebundenes schwarzes Kopftuch.\r\rDer Figurenofen hat die Gestalt einer Frau, in deren Bauch das Feuer brennt und deren K\u00f6rper W\u00e4rme abgibt. Die Figur ist damit eine Metapher f\u00fcr das weibliche Wesen, der Inbegriff von H\u00e4uslichkeit und Herdw\u00e4rme. Ausgestattet mit dem Attribut des gef\u00fcllten Obstkorbes ist \"Annamirl\" auch die allegorische Darstellung des Herbstes mit seinen fruchtbaren Ertr\u00e4gen.\r\rGeschichte / Entstehung:\rDer Figurenofen wird nach seiner Befeuerungstechnik Hinterladerofen genannt. Ein solcher wurde urspr\u00fcnglich vom Nebenzimmer, zumeist dem Flur, aus befeuert. Die Frauenfigur erhebt sich \u00fcber einer Eisenplatte, die in H\u00f6he des unteren Kittelrandes angebracht ist und gleichzeitig den Boden des Feuerraumes bildet. Der Ofen besteht aus elf unterschiedlich geformten Keramikteilen, die in der sogenannten Umschlag- oder \u00dcberschlagtechnik hergestellt wurden. Dabei wird ein Ger\u00fcst aus Tonstegen geschaffen und die Tonschichten werden dar\u00fcber gelegt, sozusagen umgeschlagen oder \u00fcbergeschlagen. Der Ofen wird in einem St\u00fcck modelliert und vor dem Brand in Einzelteile zerschnitten. Erst beim Setzen werden diese wieder vereint.\rDie Figur stammt aus dem n\u00f6rdlichen Ober\u00f6sterreich und zwar aus dem Adamhaus (auch Attamhaus) in der Ortschaft M\u00fcnzbach Nr. 9 im Bezirk Perg. In diesem Haus befand sich das Gasthaus Korninger, in dessen Tanzsaal im ersten Stock der Ofen stand. Die Gastwirtschaft war vermutlich nach einem Ortsbrand im Jahre 1766 neu errichtet worden. Entstehung und Einrichtung des Tanzsaals liefen h\u00f6chstwahrscheinlich zeitlich und stilistisch parallel mit der Entwicklung der im Obergescho\u00df liegenden sogenannten guten Stube in ober\u00f6sterreichischen Bauernh\u00e4usern. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts fanden dort die \"Bauernm\u00f6bel\" ihre repr\u00e4sentative Aufstellung gem\u00e4\u00df dem Wohnstil der l\u00e4ndlichen Elite und pr\u00e4gten die Volkskunst nachhaltig.\rNicht sicher ist, ob der Produzent ein ortsans\u00e4ssiger Hafner war, da die Herstellung von Fayencen spezieller technischer Kenntnisse bedarf.\r\rGeschichte / Museum:\rIm Jahre 1904 bekam der Kunsthistoriker und Keramikfachmann Alfred Walcher von Molthein die Nachricht vom abgetragenen Figurenofen einer \"drallen Frauensperson\" im Adamhause zu M\u00fcnzbach. 1906 verkaufte der damalige Besitzer des Hauses, Sebastian Grillenberger, den Ofen an den Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler Kogler in Enns. Laut Eintragung im Hauptinventar des Volkskundemuseums im Jahre 1917 stammt die Ofenb\u00e4uerin aus einer Widmung von Ernst Pollack, Textilindustrieller und kaiserlicher Rat in Wien. Albert Frank betitelt seinen Beitrag 1941 in der Wiener Zeitschrift f\u00fcr Volkskunde erstmals mit der Bezeichnung \"Ofenb\u00e4uerin\" und macht darin den lokalen Kosenamen \"Annamirl\" bekannt.\r\rGeschichte / Leben / Kontext:\rMit dem beginnenden 18. Jahrhundert hielten Genreszenen aus dem l\u00e4ndlichen Milieu Einzug in die barocke Bilderwelt der Oberschicht. Figuren\u00f6fen aus Ober\u00f6sterreich gelangten damals im s\u00fcddeutschen Raum zu gro\u00dfer Beliebtheit.\r\"Annamirl\" unterscheidet sich von den Vergleichsobjekten in Schl\u00f6ssern und Kl\u00f6stern durch ihr derbes Aussehen fernab b\u00fcrgerlicher und adeliger Sch\u00f6nheitsideale. Jenen entspricht eher die feine \"Almfrau\", ein Figurenofen im Ober\u00f6sterreichischen Landesmuseum. Im Trachtensaal des Linzer Schlosses findet man auch m\u00f6gliche Vorbilder f\u00fcr die Ofenb\u00e4uerin. Es handelt sich um lebensgro\u00dfe Standfiguren, aus einem Holzbrett ges\u00e4gt und bemalt. Die \"M\u00fchlviertlerin\" zeigt das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild einer einfachen B\u00e4uerin. Sie stammt aus dem Bezirk Rohrbach und wurde vom Sarleinsbacher Barockmaler Johann Philipp Ruckerbauer im Jahre 1729 gemalt.\rDie Mode der keramischen Figuren\u00f6fen erreichte im Rokoko ihren H\u00f6hepunkt und verschwand kurz danach. Aus dem 19. Jahrhundert sind Figuren\u00f6fen aus Gusseisen erhalten. \r\rClaudia Peschel-Wacha","label":"Beschreibung"},{"value":"Pollack, Ernst","label":"Sammler:in"},{"value":"Antiquit\u00e4ten Kogler","label":"Vorbesitzer:in"},{"value":"M\u00fchlviertel (Herstellungsort)   ; nach 1767","label":"Entstehung"},{"value":"M\u00fcnzbach (Verwendungsort)   ; vor 1904","label":"Verwendung"},{"value":"Fayence","label":"Material"},{"value":"\u00dcberschlagtechnik (Keramik) ; glasiert (Keramik)","label":"Technik"},{"value":"H: 200 cm T: 86 cm","label":"Abmessungen"},{"value":"Objekt","label":"Objekttyp"},{"value":"Kachelofen  ; Figurenofen","label":"Objektart"},{"value":"Frank, Albert: Die Ofenb\u00e4uerin aus dem M\u00fchlviertel. In: Wiener Zeitschrift f\u00fcr Volkskunde XLVI/1941, S 48-50.\r\rFranz, Rosemarie: Der Kachelofen. Entstehung und kunstgeschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum Ausgang des Klassizismus. Graz 1969 (= Forschungen und Berichte des Kunsthistorischen Institutes der Universit\u00e4t Graz 1), Abb. 583.\r\rFrauenb\u00fcro, Magistrat Wien (Hg.): MuSIEum. displaying: gender. Wien 2003, S. 98.\r\rGenner, Laurenz: Dreihundert Jahre volkst\u00fcmlicher T\u00f6pferkunst. Ein Besuch im Museum f\u00fcr Volkskunde. In: Arbeiter-Zeitung XXXVI. Jg./Nr. 123/4.5.1924, S. 9.\r\rPeschel-Wacha, Claudia: \"Annamirl\" - ein Figurenofen aus dem Rokoko. In: Silvia Glaser (Hg.): Keramik im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Kunst. Beitr\u00e4ge des 44. Internationalen Symposiums Keramikforschung im Germanischen Nationalmuseum, N\u00fcrnberg, 19. bis 23. September 2011. N\u00fcrnberg 2015, S. 176-184.\r\rWeimarck, Ann-Charlotte: Annamirl och njutningens ugn. Aspekter p\u00e5 \"folkkonsten\" och folkkonstforskningen i Europa (Annamirl and the Stove of Delight. With reference to \"folk art\" and \"folk art\" research in Europe). \u00c5hus 1987.\r\rWerfring, Johann: Sichel in der Sonne. In: Wiener Zeitung 19.11.2009.","label":"Dokumentation"},{"value":"\u00d6MV/35876","label":"Inventarnummer"},{"value":"Schenkung","label":"Erwerbungsart"}]}